Im Gedenken an Dieter Stalder, Ehrenpräsident des OVBL, verstorben am 19. Januar 2026

Im Gedenken an Dieter Stalder (1944-2026)

Erinnerungen und Würdigung von Erich Thommen

Vor ungefähr zwei Jahren besuchten Mitglieder des OVBL das von Dieter Stalder gegründete Harmonium-Museum in Liestal mit ca. 150 Musikinstrumenten. Alle Anwesenden staunten darüber, mit welcher Begeisterung Dieter seine Instrumente erklärte und uns spezielle Harmonien auch klanglich vorführte. Er schilderte spannend, wie er auf unterschiedlichen Wegen – oft zufällig – auf solche Instrumente gestossen sei. Viele waren in einem desolaten Zustand und brauchten sein spezielles handwerkliches Engagement und Können, bis sie wieder spielbar waren. Ja, ein Besuch in Dieter Stalders grossartigem Reich war ein Highlight!

Und dann traf die Nachricht von seinem Tod ein! Sie traf mich zutiefst!

Während Dieters Zeit als OVBL-Präsident war ich im OVBL als Aktuar tätig. Ich erinnere mich an eine besondere Vorstandssitzung bei ihm zu Hause. Zuerst erzählte er uns, dass er vor ein paar Tagen in einem Basler Aussenquartier auf einen parkierten Lastwagen beladen mit alten Möbeln gestossen sei. Dieters Sperberaugen vermuteten unter einer Plane etwas Besonderes, das bei ihm grosse Neugier auslöste. Nach kurzer Zeit tauchte der Lastwagenchauffeur auf. Dieter verwickelte ihn sofort in ein Gespräch und erfuhr, dass all diese Möbelstücke entsorgt würden. Sofort bestieg Dieter den Lastwagen und staunte nicht wenig, dass ein währschaftes Harmonium vor ihm stand. Geschickt wie immer brachte Dieter dem Chauffeur bei, dass dieses Instrument seine Besonderheiten habe und keinesfalls entsorgt werden dürfe. Zum Glück war der Chauffeur bereit, das Harmonium an einem sicheren Ort zu deponieren, bis sich eine Gelegenheit ergebe, es bei ihm in Liestal abzugeben.

Mit Schmunzeln nahmen wir dieses spannende Erlebnis zur Kenntnis, und die Sitzung konnte beginnen. Als alle Traktanden behandelt waren, wies der Präsident auf die nächste Sitzung hin, die wiederum bei ihm stattfinden werde, und zwar mit einem anschliessenden Nachtessen.

So trafen wir uns etwa einen Monat später wiederum zur OVBL-Sitzung in Liestal, bei der es um die Organisation eines Fortbildungskurses ging. Dieter zog das Traktandum straff durch, erhob sich plötzlich und entschuldigte sich für einen Moment. Als er zurückkam, lächelte er verschmitzt und erklärte uns, dass er jetzt dringend fünf kräftige Männer brauche, um etwas Gewichtiges auf den Estrich zu bringen. Natürlich waren wir alle bereit zu helfen und staunten nicht wenig, als wir merkten, dass es sich um ein Harmonium handelt. Drei kräftige Männer zogen mit Seilen das Ungetüm von Stufe zu Stufe hoch, während es die beiden andern von hinten hochstemmten. Nach zwei mühsamen Drehungen standen wir vor der engeren Estrichtreppe – auch die haben wir mit vollem Elan geschafft. Oben war zwischen mindestens zwanzig Harmonien eine Nische bereit für den Neuankömmling!

Nach dieser Einlage beendete Dieter die Sitzung bald und orientierte uns über das Weitere. Er lobte uns gebührend für unsere Hilfe und erklärte uns, dass Anita, seine Frau, noch nichts wisse vom Einzug eines neuen Gastes. Daher sei es nötig, vor ihrer Heimkehr das Nachtessen zu bereiten, damit wir sie zusammen beim gemütlichen Essen über das Ereignis aufklären können. – So war Dieter, unser verstorbener Ehrenpräsident, wie er leibte und lebte.

Als 1971 der damalige OVB-Präsident Jakob Schaub unerwartet starb, folgte für unsern Verband eine schwierige Zeit. Keine Person aus dem Vorstand wollte das Präsidium übernehmen. Schliesslich erklärte sich Toni Wiesner aus Sissach bereit, (mit Unterstützung von Fredy Walter, Organist in Allschwil), den OVB vorübergehend zu präsidieren. Das war eine gute Lösung für den Verband.

Und 1974, als Dieter Stalder Mitglied des OVB wurde, kam es zu einem überraschenden, hocherfreulichen Ereignis. Dieter wurde gleich als Präsident vorgeschlagen und mit überwältigendem Applaus gewählt. Damals war er in der reformierten Kirchgemeinde Dornach als Organist tätig, wo er sich bestens mit dem Gemeindepfarrer Otto Streckeisen, einem begabten Pianisten und Improvisator verstand. Auch an der Orgel der St. Arbogastkirche in Muttenz war Dieter im Einsatz, bevor er schliesslich auf der romantischen Orgel der Matthäuskirche in Basel voll zum Zuge kam.

Mehr als zwanzig Jahre konnte der OVBL von Dieter Stalders Vielseitigkeit und seiner Begeisterungfähigkeit für die Kirchenmusik profitieren. Mit seiner offenen, unternehmungslustigen Art hat er in diesen Jahren den Verband geprägt. Seine Kontaktfreudigkeit öffnete viele wichtige Türen für den OVBL. Er organisierte Besuche in Kirchgemeinden der Region, wodurch die Mitglieder andere Instrumente kennen lernten. Auch ein eintägiger Besuch der Orgelfirma Kuhn in Männedorf wurde organisiert. Dieter Stalder versuchte regelmässig Fortbildungskurse anzubieten. Seine besondere Liebe zu romantischen Kompositionen regte viele Kollegen dazu an, ihr Repertoire zu erweitern. Aber auch die Vertiefung der Kenntnisse im Orgelbau lagen ihm am Herzen. Mit grossem Engagement setzte er sich über Jahre dafür ein, dass im Herbst jeweils ein- bis dreitägige Orgelreisen stattfanden. Dank seiner Vorliebe für Harmonien bekamen auch die OVB-Mitglieder genauere Kenntnisse über deren Bau. Gerade in seinen Jahren als OVBL-Präsident er vermittelte zahlreiche anregende Impulse – nicht zuletzt auch durch die von ihm organisierten wundervollen Orgelfahrten. Dem OVBL hat Dieter Stalder mit seiner offenen und kreativen Art einen wertvollen Stempel aufgedrückt.

(Dieser Beitrag wurde von Erich Thommen verfasst.)